Am Erkrather Stadtrand entsteht eine moderne Solarthermieanlage – so groß wie dreieinhalb Fußballfelder. Sie liefert nicht nur Wärme, sondern bietet auch Lebensraum für heimische Tiere
und Pflanzen.
Der erste Spatenstich ist getan, eine neue Ära der Wärmeversorgung in Erkrath hat begonnen. Wo früher Nutzpflanzen wuchsen, entsteht jetzt auf 2,5 Hektar eine Solarthermieanlage mit einer Spitzenleistung von sieben Megawatt Peak. Ab Juli 2027 soll sie klimaschonende Wärme ins Fernwärmenetz einspeisen – und so die CO₂-Emissionen deutlich senken. „Die Sonnenenergie macht
unsere Fernwärme nachhaltiger, unabhängiger und zukunftsfähig“, betont Bastian Reinhardt, Projektmanager für erneuerbare Energien und maßgeblich an der Planung beteiligt.
Vakuum in der Röhre
Die Anlage „Am Mühlenkamp“ ist ein wichtiger Baustein im Transformationsplan der Stadtwerke Erkrath hin zu klimaneutraler Wärme. Mit einer Bruttokollektorfläche von 13.000 Quadratmetern
zählt sie zu den größten Solarthermieanlagen Deutschlands und ist die größte in Nordrhein-Westfalen. Das Besondere: Statt klassischer Flachkollektoren setzen die Stadtwerke auf Vakuumröhrenkollektoren. Diese bestehen aus bis zu zwei Meter langen, doppelwandigen Glasröhren mit einem Vakuum im Inneren. „Die Sonnenstrahlen erwärmen das Innere und da das Vakuum wie eine Dämmung wirkt, kann die Wärme nicht entweichen“, erklärt Bastian Reinhardt. Ein Spiegel unter den Röhren reflektiert zusätzlich indirektes Licht auf die Kollektoren, was die Effizienz der Anlage weiter steigert.
„Die neue Anlage zeigt, wie sich Energieerzeugung und Artenschutz verbinden lassen“
Bastian Reinhardt, Projektmanager für erneuerbare Energien Tweet
Effizient und umweltschonend
Zur Anlage gehören auch ein Wärmespeicher sowie ein Power-to-Heat-Kessel, der überschüssigen
Strom aus dem Netz in Wärme umwandelt. „Wenn an der Strombörse ein Überangebot herrscht und die Preise sinken, nutzen wir diesen günstigen Strom zur Wärmeerzeugung“, erläutert Bastian Reinhardt. Die neue Solarthermieanlage punktet nicht nur mit Effizienz, sie ist auch besonders umweltschonend: Statt des üblichen Glykol- Wasser-Gemischs zirkuliert als Wärmeträger reines Wasser in den Kollektoren. „Im Fall einer Leckage gelangt also keine Chemie in den Boden“, betont Bastian Reinhardt.
Energie aus dem Biotop
Doch die Anlage liefert nicht nur Wärme, sie schafft auch einen Lebensraum für heimische Tiere und Pflanzen. Schon während der Bauphase, die voraussichtlich im Frühjahr 2027 endet, schützen die Stadtwerke Erkrath die lokale Fauna: Ein Amphibienzaun verhindert, dass Frösche und Erdkröten auf die Baustelle gelangen. Eine Artenschutzprüfung und ein landschaftspflegerischer Begleitplan stellen sicher, dass ökologische Vorgaben zuverlässig eingehalten werden. „Der Plan regelt unter anderem auch, wie das Gelände gemäht werden muss, damit ausreichend Fluchtwege für Tiere erhalten bleiben“, weiß Bastian Reinhardt.
Größte Solarthermieanlage in NRW
Die Solarthermieanlage ist Teil des Transformationsplans der Stadtwerke Erkrath und entsteht in Zusammenarbeit mit Ritter XL Solar als größte Solarthermieanlage in Nordrhein-Westfalen.
Heimische Bepflanzung
Für die Begrünung setzen die Verantwortlichen auf heimische Blumen und Gräser sowie eine dichte Hecke. Diese dient nicht nur der Optik, sondern bietet Insekten, Amphibien, kleineren Reptilien sowie Vögeln Nahrung und Schutz. „Die neue Anlage zeigt, wie sich Energieerzeugung und Artenschutz verbinden lassen“, fasst der Projektverantwortliche zusammen.